2a)  ERLANGER NACHRICHTEN, 18. Oktober 2002

 

2b)   Leserbrief: EN 18. Oktober, Karl Freller und die Pisa-Studie

                                 Flacher Bildungssee

Ausdrücklicher Dank gebührt Herrn Freller, seines Zeichens Staatssekretär des Bayerischen Kultusministeriums, für die von ihm zum Thema „Pisa und die Folgen" mit bewundernswerter Klarsichtigkeit vorgetragenen Thesen. Auf die für alle Bundesländer – mit der rühmlichen Ausnahme Bayerns und Baden-Württembergs – absolut blamablen Ergebnisse der Pisa-Studie reagierten die Lehrerverbände mit allzu durchsichtigen Ablenkungsmanövern und Schuldzuweisungen. So behaupteten die Lehrer wider besseres Wissen, hohe Schülerzahlen seien für das schlechte Abschneiden verantwortlich, wo doch Herr Freller Studien zitiert, die belegen, dass es keinen Unterschied mache, ob in einer Klasse 15 oder 35 Schüler säßen. Und erst Japan, das in besagter Studie noch besser abschnitt als Bayern: Dort gehen 40 – 50 Schüler in eine Klasse. Die extrem hohe Selbstmordrate unter japanischen Schülern, wenn auch sicherlich bedauerlich und von Herrn Freller nicht expressis verbis erwähnt, hat natürlich andere Ursachen.

Ein weiterer, sehr begrüßenswerter Schritt zur Behebung der allseits beklagten Bildungsmisere ist der, dass die weitverbreitete Spezies der „innovationsresistenten" Lehrer jetzt endlich vom Kultusministerium zum regelmäßigen Besuch von Fortbildungsveranstaltungen verpflichtet wurde, so wie dies Arbeitgeberpräsident Hundt schon seit langem fordert – und zwar während der Ferien! Dann wird hoffentlich der skandalöse Missstand abgestellt, dass, wie Freller scharfsichtig bemerkt, „ein Abiturient heute manchmal mehr weiß als ein Lehrer."

Dank schließlich auch Herrn Freller für sein einprägsames Bild vom flachen „Bildungssee". In der Tat brauchen wir bei der gegenwärtigen Bildungsdiskussion mehr Tiefgang, sonst gehen wir alle baden.

 

Wolfgang Preuß

 

2c) Erster und zweiter, identischer [aber nochmals gekürzter] Leserbrief

2d) Erste E-Mail an die ERLANGER NACHRICHTEN [als Reaktion auf die erste Veröffentlichung meines Leserbriefs]

Betrifft: Leserbrief "Nachhilfe für Lehrer", EN, Oktober 24, 2002

Schön, dass Sie meinen Leserbrief abgedruckt haben, wenn er auch in der

von Ihnen veröffentlichten Form einen Hauch zu expressiv geriet und ich jetzt

selbst unfreiwillig in aller Öffentlichkeit als Beweis für die Richtigkeit der Pisa-

Studie herhalten muss: Der Terminus technicus für ausdrücklich heißt  nun

mal "expressis verbis". In Bremen und anderen Schlusslichtern der Pisa-Studie

gälte Ihre Version wahrscheinlich als Ausweis für klassische Bildung, hierzulande

nimmt man's dagegen (noch) ein bisschen genauer. Nichts für ungut! Der Teufel,

und ganz besonders der Druckfehlerteufel, steckt bekanntermaßen im Detail!

 

Wolfgang Preuß

 

2e) Zweite E-Mail an die ERLANGER NACHRICHTEN [als Reaktion auf die nochmalige Veröffentlichung meines Leserbriefs]

Betrifft: Nochmaliger Abdruck meines Leserbriefs vom 24.10. 2002
            Anlage 1: E-Mail vom 24. Oktober 2002
           Anlage 2: Ursprünglicher Leserbrief (E-Mail vom 18. Oktober 2002)
 
Wer beschreibt mein Erstaunen, als ich in der heutigen Ausgabe der EN meinen
bereits vor genau zwei Wochen (am 24. 10. 2002) veröffentlichten Leserbrief noch
einmal mit der gleichen - von Ihnen verfassten - Überschrift und mit dem gleichen
Druckfehler (expressiv statt expressis), allerdings erneut gekürzt, zu lesen bekam!
Nachdem Sie nun also meinen Leserbrief zum zweiten Mal veröffentlicht haben, er-
laube ich mir, mich noch einmal zu Wort zu melden und vier Punkte, die meinen
Leserbrief betreffen, anzusprechen.
 
1) Noch am gleichen Tag, an dem Sie meinen Leserbrief veröffentlichten, schrieb
    ich Ihnen eine E-Mail, in der ich Sie freundlich und in aller Form, quasi als
    "Nachhilfe für Redakteure", expressis verbis auf den oben erwähnten Druckfehler
    hinwies. [Ich füge meine damalige E-Mail als Anlage 1 bei.] 
 
2) Es bleibt Ihnen selbstverständlich unbenommen, Leserbriefe so oft zu veröffentlichen,
    wie Sie das für richtig halten, sie können sie auch mit Druckfehlern garnieren oder
    nach Belieben kürzen, wenn sie Ihrer Meinung nach zu lang geraten sind. Es besteht
    dann allerdings die Gefahr - und dies gilt auch für meinen Leserbrief -, dass bei einer Kürzung
    durch die Leserbriefredaktion eine Meinungsäußerung, wenn nicht verfälscht, so doch mit
    einem falschen "Touch" versehen wird  Durch den bewusst überspitzt formulierten Einleitungssatz
    meines Leserbriefs sollte der Leser, bzw. die Leserin auf das Folgende "eingestimmt" werden.
    Darüber haben Sie sich hinweggesetzt, indem Sie meinen Leserbrief erst mit dem zweiten
    Satz beginnen ließen, dessen Ironie jetzt nicht mehr unbedingt auf den ersten Blick
    erkennbar war - wie ich aus manchen Reaktionen auf meinen Brief entnehmen musste.
    Sie werden verstehen, dass ich, wenn ich mit vollem Namen und Adresse genannt werde,
    Wert darauf lege, dass mein Meinungsbeitrag korrekt wiedergegeben wird.
 
3) Durch die meinem Leserbrief von Ihnen verpasste Überschrift "Nachhilfe für Lehrer" gaben
    Sie dem Ganzen eine Richtung, die meiner Intention zuwiderlief. Hätten Sie meine Original-
    überschrift "Flacher Bildungssee" unverändert gelassen - oder zumindest meine "Tonlage"
    beibehalten (sollten Sie meine Formulierung für stilistisch verbesserungswürdig gehalten
    haben), so wäre von vornherein klar gewesen, wohin "der Hase läuft". Die von Ihnen gewählte
    Überschrift wurde jedoch von nicht wenigen für bare Münze genommen. Nicht nur bei den in
    der Pisa-Studie getesteten 15-jährigen Schülerinnen und Schülern lässt nämlich das sogenannte
    "Leseverständnis" arg zu wünschen übrig! [Als zweite Anlage füge ich Ihnen deshalb noch einmal
    meinen ursprünglichen Lesebrief in seiner von mir verfassten Form - also ohne Druckfehler, aber
    mit Überschrift und mit Einleitungssatz bei, sollten Sie ihn zum dritten Mal veröffentlichen 
    wollen - VORSICHT IRONIE!]
 
4) Für mich aber überhaupt nicht nachvollziehbar ist, dass Sie meine ursprünglichen
   Schlussgedanken beim zweiten Abdruck meines Briefes gänzlich unterschlagen haben und
    mir damit in aller Öffentlichkeit etwas unterstellen, wovon ich mich in aller Form
    distanziere. Für mich grenzt eine derartige Vorgehensweise an Manipulation.
    Hätten Sie meinen Brief doch so veröffentlicht, wie ich ihn geschrieben und eben
    auch GEMEINT habe: mit Überschrift, ohne Kürzung und, wenn's nicht anders geht, von
    mir aus auch mit ein zwei Druckfehlern. Wer wird denn schon auf solchen Nebensächlichkeiten
    herumreiten wie "expressiv" und "expressis", heißt doch eh' das Gleiche, oder? Es wäre besser
    gewesen, Sie hätten von einer Veröffentlichung abgesehen, da Ihnen, wie heute deutlich
    geworden ist, die wahre Aussage meines Leserbriefes verborgen geblieben ist. Traurig, aber
    wahr: das von der Pisa-Studie beklagte mangelnde "Leseverständnis" ist weiter verbreitet,
    als man denkt und findet sich anscheinend auch, na wo wohl?
    Übrigens, ich hätte da eine Idee für einen "running gag": Sie könnten meinen Brief noch ein paar
    Mal abdrucken. Jedes Mal ein bisschen stärker verkürzt, bis zum Schluss nur noch Ihre eigene
    Überschrift mit meinem Namen als Verfasser übrig bliebe. Das Autorenhonorar könnten wir uns
    ja teilen!
   
 
Um sicher zu gehen, dass meine Zeilen Sie auch wirklich erreichen, schicke ich sie Ihnen nicht nur
als E-Mail, sondern werde sie auch persönlich bei der Redaktion der EN vorbeibringen.
 
Mit freundlichen Grüßen, Wolfgang Preuß 

 

2f) Reaktion der ERLANGER NACHRICHTEN auf meine E-Mail: Brief des Chefredakteurs der Erlanger Nachrichten xxx vom 7. November 2002: 

.......................................................................................................................................................................................

Das Original dieses Briefes, in dem sich xxx im Namen der Redaktion "ganz herzlich bedankt für die berechtigte Kritik" und der mit den Worten schließt "... (wir) hoffen, dass Sie uns auch in Zukunft gewogen sein werden",  wurde auf ausdrücklichen Wunsch* von xxx  mit dem heutigen Datum gelöscht.

W.E.P.

26. September 2014

* Brief, datiert 24. September 2014

 

                                                                    THE END THE END THE END THE END THE END THE END THE END THE END THE END THE END